Der Traum vom eigenen Hund

Damals

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...hat sich der Traum vom eigenen Hund für mich schon erfüllt gehabt. Leider war dem kleinen Jacky kein besonders langes Leben vergönnt, aber in den wenigen Jahren wurde er für mich tatsächlich zum besten Freund. Wir haben zusammen Tricks gelernt, laue Sommertage am See verbracht und im Winter zur Freude meiner Eltern im Schnee(matsch) gespielt. Wenn in der Schule mal wieder alles schief gegangen war, man Streit mit jemanden gehabt hat, oder einfach die Pubertät schubartig in vollem Umfang daherkam - Jacky war da und hat mich aufgefangen, mit einer einfachen Kuschelattacke war alles wieder in Ordnung gerückt. Ich erinnere mich aber viel lieber an die vielen tollen Momente, als wir die Gehsteige unsicher machten indem ich auf Rollerskates unterwegs war und Jacky seine unbändige Lauflust ausleben konnte, oder als meine Eltern ihm schwimmen beigebracht haben, was eine ausgeprägte Wasseraffinität zur Folge hatte. Dass Jacky bei mir im Zimmer schlief und abends vor dem Einschlafen immer noch eine kurze Krauleinheit einheimsen kam, ist eine weitere Erinnerung die ich vermutlich nie vergessen werde. 

Als er dann plötzlich aus seinem jungen Leben gerissen wurde, war ich eigentlich nicht im Stande großartig zu trauern. Es war einfach nur leer in mir und ganz ruhig zu Hause. Meine Eltern waren ebenfalls sehr mitgenommen, konnten es sich auch nicht vorstellen nochmal einen Hund zu nehmen - und ganz ehrlich: das wollte auch niemand so richtig. 

 

Heute

Seit einigen Jahren die ich hier mittlerweile in Graz bin kommt der Wunsch nach dem eigenen Hund immer mal wieder auf. Aufgrund meines Lebensstils ist es mir aber nicht möglich, im bestmöglichen Ausmaß für so ein kleines Lebewesen zu sorgen. Vor 2 Jahren bin ich mal mit einem Hund aus dem Tierheim spazieren gegangen, aber irgendwie hab ich das dann nicht fortgesetzt. Mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln war es schwer erreichbar, die Umgebung war auch nicht ideal, man musste ewig gehen bis man ein wenig Natur um sich hatte und somit war die Idee vorerst wieder ad acta gelegt.

2017: Eines Samstags wachte ich dann auf, stellte fest dass ich absolut nichts vor hatte an diesem gemütlich-herbstlichen Wochenende und überlegte hin und her, was ich denn mit meiner Zeit anfangen sollte. Fest stand nur: Unizeugs. Aber das kann doch nicht alles sein - zumindest nicht für mich. Da kam mir die Tierheim-Idee wieder in den Sinn, und da ich ja mittlerweile mobil bin kam nun auch das ein wenig weiter entfernte Tierheim Arche Noah in Liebenau/Graz in Frage. Kurz die Website besucht, festgestellt dass Samstag Vormittag Gassigeh-Zeit ist, Ausweis geschnappt, Leckerlis gekauft und auf den Weg gemacht.

 

Der Ablauf im Tierheim Ache Noah

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Das Tierheim befindet sich im Südosten von Graz, ganz in der Nähe der Autobahnabfahrt, aber trotzdem im Grünen. Parkplätze sind zur Genüge vorhanden, eine Beschilderung leitet einen in eine Sackgasse - da ist man aber richtig, denn die Arche Noah befindet sich ganz am Ende dieser Sackgasse, von dort aus geht nur ein Fußweg weiter.
Der Empfang ist total nett, ich stellte mich mit einem "Hallo, ich würd gerne mit einem eurer Hunde Gassi gehen!" vor, und bekam eine kurze Erklärung wie das dort so abläuft:
Generell ist das Gassigehen nur in Verbindung mit einer Mitgliedschaft möglich - 18€ halbjährig, 36€ für ein volles Jahr. Beim ersten Mal geht man zusammen mit einem anderen, "geübten Gassigeher" um sich alles mal anzuschauen, dafür ist eine Mitgliedschaft natürlich noch nicht notwendig. Man kann sich danach überlegen ob das etwas für einen ist und auch gleich alles ausfüllen, wenn man kurzentschlossen ist (wie ich :D). Leinen, Leckerlis und "Sackerl für's Gackerl" gibt's vor Ort, man trägt sich dann in eine Liste ein und geht dann einen Hund abholen. Die Pfleger beraten einen gerne welchen Hund man am besten zu Beginn nehmen soll, und mit der Zeit würde sich dann meistens ein "Lieblingshund" herauskristallisieren, den man dann regelmäßig ausführen kann. 
Es gibt keinen Plan, keine Termine, man kommt einfach hin und genießt ein klein wenig Zeit mit den Vierbeinern. Ich werde trotzdem versuchen, das Gassigehen in meinen Alltag zu integrieren und mindestens 1 mal die Woche 2 Stunden dafür zu reservieren. 

Geben & Nehmen

Ich hab diesmal jedenfalls einen feinen Spaziergang mit Lilli unternommen - die ist aktuell nur ausnahmsweise zur Pflege dort und darf bald wieder zu ihrer Besitzerin zurück :) Es war wirklich schön zu sehen wie sehr sich die Hunde freuen und diese Freude ist auch irgendwie ansteckend. Ich war sofort ausgeglichen, relaxed... und ganz ehrlich: Es ist irgendwie schön, die Verantwortung für ein Tier für kurze Zeit zu übernehmen und sicherzustellen dass es ihm gut geht. Der Gefühl, dass man dem Tier für ein paar Momente einen Tapetenwechsel beschert hat, ist toll. 

Generell ist es meines Wissens nach in den meisten Tierheimen möglich die Hunde zum Spazierengehen mitzunehmen - Du benötigst nichts außer einem Ausweis und Spaß an der Sache :)