Reisebericht: Nürnberg im Winter

Nürnberg-Panorama

Im Dezember 2017 habe ich ein verlängertes Wochenende dazu genutzt, mir Nürnberg anzuschauen. Angefangen hat alles mit einem Facebook-Posting in dem ich um Tipps für eine Stadt gebeten habe, die mittelalterlich ist, unkompliziert mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen ist sowie das Herz einer Weihnachts-Kitsch-Liebhaberin höherschlagen lässt. Nach kurzer Recherche waren die Hotelpreise okay, der Flixbus preislich und verbindungstechnisch gut, und dann war auch eine mir bekannte Band an dem Wochenende für ein Konzert in der Stadt – also war das beschlossene Sache.

Hingefahren mit dem Flixbus über Nacht, Ankunft in der Früh in Nürnberg – und da der Bus wirklich total zentral stehen bleibt, gleich mal die Innenstadt erkundet und sofort begeistert gewesen. Die Architektur ist wirklich wunderschön und das Mittelalterflair omnipräsent, und als sich nach kurzer Zeit die Burg auf der anderen Flussseite vor mir auftat, war es fixiert: Die Städtewahl war goldrichtig. Danke an dieser Stelle an all die lieben Leute die mir Nürnberg empfohlen haben :)

Übernachtet habe ich in Fürth, das ist zwar außerhalb von Nürnberg, aber immer noch per U-Bahn an das Verkehrsnetz angebunden und innerhalb von 15 Minuten ist man im Stadtzentrum – Fürth selbst ist übrigens auch einen Spaziergang wert, eine ganz entzückende kleine Stadt. Mittagessen kann man super im „Zum Tannenbaum“, dort gibt’s regionale Küche, die Portionen sind groß und die Preise fair.

Meine Unterkunft war das Quality Hotel Bavaria und gebucht habe ich über Booking.com – wie eigentlich immer… die Macht der Gewohnheit. Wenn du übrigens 15€ bei deiner nächsten Buchung retourniert bekommen willst, nutze diesen Link.

Doch was macht man eigentlich so in Nürnberg? Ich habe meine Lieblingsadressen und Aktivitäten zusammengefasst – damit du eine Idee davon bekommst, was du anschauen kannst, wo du einkehren kannst wenn der Hunger kommt, und welcher Teil des Christkindlesmarktes mein Favorit war.

 

Was ich mir angeschaut habe:

Die Altstadt

Nürnberg ist eine Stadt mit mittelalterlichem Kern – große Teile der Stadt wurden im 2. Weltkrieg zerstört, aber danach wieder aufgebaut, sodass an diese Zeit auf den ersten Blick nicht mehr viel erinnert.  Der Name der Stadt leitet sich von nor für steiniger Fels ab, auf dem die Burg trohnt, sagt Wikipedia. Besonders schön fand ich die Fachwerkhäuser, ein klassisches Foto von ihnen macht man am besten in der Weißgerbergasse, dort reihen sich viele bunte Häuser aneinander und durch die Kurve bekommt man auch super Dynamik ins Bild. Aber abgesehen davon, kann man eigentlich überall in der Altstadt großartige Bauten bestaunen, von Kirchen, über Türme, Hallen bis hin zu Gebäuden wie dem Heilig-Geist-Spital – und an den meisten kommt man im Zuge eines Spaziergangs sowieso vorbei. Die Altstadt ist nicht so groß, dass man seine Route planen müsste, also lass dich einfach treiben und genieße das Flair.

 

Die Burg

Als ich ankam und sich die Burg vor mir auftat war ich wirklich begeistert – so groß und prächtig ragt sie hinter der Altstadt empor und zieht alle Blicke auf sich. Wenn man sich seinen Weg durch die kleinen Gassen bahnt und beim Tiergärtnerplatz ankommt, hat man schon ein paar Höhenmeter gewonnen, und ich empfehle wirklich sich mindestens einmal für diesen Weg zu entscheiden, denn der Platz selbst ist im Winter wirklich schön, mit Weihnachtsbaum und den vielen Restaurants, an einer Seite durch die Burgmauer begrenzt, an der anderen reihen sich Fachwerkhäuser. Nach einem kurzen Spaziergang gelangt man dann zum Eingang der Burg, in welcher sich ein Museum befindet. Selbiges habe ich ausgelassen, stattdessen hab ich mir den Sonnenuntergang angesehen – ein absoluter Tipp meinerseits! Man kann den Aussichtspunkt übrigens kaum verpassen, aufgrund der vielen Menschen die dort stehen. :)

 

Handwerkerhof

Wenn man beim Hauptbahnhof Nürnberg ankommt und Richtung Innenstadt geht, kommt man direkt an der Stadtmauer vorbei. Wenn man dann gleich links geht steht man vor dem Eingangstor des Handwerkerhofes. Das ist ein kleiner Markt in dem man fündig wird wenn man Mitbringsel sucht oder sich selbst kleines Andenken kaufen möchte: Kunsthandwerk, Lebkuchen, Glasmalerei, Spielzeug, oder die berühmten Zwetschgenmännla bekommt man hier.

 

Museen

Einen kompletten Tag widmete ich nur Museen – es tut auch mal gut nicht kilometerweit im Schnee herum zu laufen. Zuerst hab ich mir das Memorium Nürnberger Prozesse angesehen, in dem über die Angeklagten (führende Vertreter des nationalsozialistischen Regimes) und deren Verbrechen informiert wird. Außerdem hat man die Möglichkeit, sich den originalen Schwurgerichtssaal im Justizpalast anzusehen – generell ist das Museum wirklich gut aufgebaut und organisiert, selbst für mich war das überraschend fesselnd (ich bin normalerweise nicht so begeisterungsfähig was die meisten Museen angeht.)

Nächste Station waren die Mittelalterlichten Lochgefängnisse in den Kellergewölben des Rathauses. Die Tour findet zu jeder halben Stunde statt, Anmeldungen sind nicht erforderlich. Man bekommt einen Einblick wie das Leben eines Gefangenen im 14. Jahrhundert so gewesen sein muss, lernt Fakten über Verhör-/Foltermethoden und erfährt auch einiges zur Geschichte der Stadt in Bezug auf Straftaten und deren Nachverfolgung.

Die letzte Station meiner Museumstour war das Stadtmuseum im Fembohaus, in dem man die Geschichte der Stadt erleben kann. Geschichte, Kunst und Kultur finden hier eine gemeinsame Bühne. Das Besondere ist, dass man die Eindrücke auf viele verschiedene Arten aufnimmt: Durch die Räumlichkeiten selbst, durch (Wand/Decken-)Gemälde, handwerkliche Ausstellungsstücke und Modelle.

Besonders super fand ich, dass der Eintritt für Studenten nur €1,50 pro Museum kostete – so macht das umso mehr Spaß. Regulär kostet ein Museum 6€, oder man kann für 9€ eine Museums-Tageskarte kaufen – immer noch total fair.

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Ein Konzert im Z-Bau

Samstag Abend spielten Northlane im Z-Bau, einer Veranstaltungslocation im Süden von Nürnberg. Genial war das, gutes und günstiges Bier, tolle Organisation, coole Bands und gewaltiger Sound. Das Publikum war ebenfalls energiegeladen und die Stimmung hat perfekt gepasst – wer also die Chance hat ein Konzert dort mitzuerleben, sollte selbige ergreifen. Besonders praktisch ist auch, dass die U-Bahn bis spät in der Nacht fährt und man sich so keine Sorgen um den Heimtransport machen muss.

Northlane
Northlane2

 

Bierführung

Da ich Kulinarik liebe und zufällig am Weg zur Burg bei einem Biershop hängengeblieben bin, wurde ich auf eine Bierführung aufmerksam. Jeden Freitag und Samstag Abend ist es möglich, sich in den Felsenkeller der Stadt zu begeben, den Geschichten des Tourguides zu lauschen und die Geschichte des Bieres in Nürnberg kennenzulernen. Hier erwarten einen nicht nur geschichtliche Hintergründe, sondern auch oftmals (aus heutiger Sicht durchaus) lustige Anekdoten rund ums Nürnberger Rotbier. Am Schluss erwartet einen eine Verkostung von 2 Bieren und nach einer guten Stunde ist die Tour vorüber – ein gelungener Weg richtig ins Wochenende zu starten und danach vielleicht ein gutes Abendessen zu genießen, was mich auch schon zur nächsten Kategorie bringt: Essen.

Bierführung
Rotbier

 

Kulinarisch kann ich folgendes empfehlen:

Schäufele im Restaurant Etzerdla

Ich bin normalerweise kein Fan von fettigem Fleisch oder generell sehr deftiger Küche. Andererseits will ich auch immer regionale Gerichte probieren – ein Dilemma, speziell in Nürnberg. Ich habe dann durch Zufall das Restaurant Etzerdla gefunden und nach kurzer Recherche beschlossen: Wenn ich hier mein Schäufele nicht esse, dann nirgendwo. Die Inhaber beziehen alle Produkte von regionalen Familienbetrieben und da ich am Samstag dort war, gab‘s auch tatsächlich Schäufele (das gibt’s dort immer Donnerstag und Samstags). Das Traditionsgericht Schäufele ist eine flache Schweineschulter mit „Kloß und Dunkelbiersoß“, wobei das Fleisch eine dicke Schwarte hat, welche aber weder zäh und erst recht nicht ungenießbar war – sondern sehr knusprig und geschmacklich gut – leider war das ganze Gericht so gehaltvoll, dass ich nur mit Mühe alles wegbekommen habe, aber das zarte Fleisch konnte man einfach nicht „nicht-wegessen“ 😊

 

3 im Weggla beim Bratwurst Röslein

Zugegeben, 3 im Weggla ist jetzt keine Kunst. Weißbrot-Weckerl, 3 Bratwürste rein, Senf drauf, fertig. Ich habe diesen Snack 3-4 mal bei unterschiedlichen Ständen gegessen und konnte keinen wirklichen Unterschied feststellen - mir hat es überall geschmeckt. Kommt übrigens total gelegen wenn man 1-2 Glühwein getrunken hat und dann gern irgendwas pikantes zu Essen hätte, die Stände findet man nämlich überall in der Innenstadt.

 

Sambusa & Mixteller bei Shashamane

Ich bin ja über Nacht wieder zurück nach Graz gefahren, also brauchte ich eine gemütliche Bar in Bahnhofsnähe und wurde bei Shashamane fündig. Cooles Ambiente, angenehmes Publikum, total netter Service und das Essen ist ein Traum! Besonders ist, dass man hier alles mit den Händen isst – fand ich super, hat mich an meine Reisen in Indonesien erinnert :) Traditionell werden Sauerteigfladen gereicht, mit denen man das Essen greift – so ist die Patzerei zumindest nur halb so wild. Geschmacklich waren sowohl die Vorspeise (frittierte Teigtaschen mit Linsen), als auch die Hauptspeise super. Die Hauptspeise war eine Variation aus verschiedenen Gerichten, manches erinnert an Gulasch, anderes an Linseneintopf, aber alles war durchwegs super. Da ich mehrere Stunden dort war, habe ich zu später Stunde noch 2 Gläser Tee getrunken, der das Aroma von Nelken und Zimt hatte, aber Schwarztee war – wirklich genial.

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Am Christkindlesmarkt fand ich besonders toll:

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Markt der Nationen

Das ist ein kleiner Markt am Rathausplatz, wo viele Aussteller aus den unterschiedlichsten Ländern ihre Waren zum Kauf anbieten. Gewürze aus dem Orient, Lavendel aus Frankreich und Schnaps aus Mazedonien, Glücksbringer aus China – ich fand den Markt toll und das Durchschmökern war echt angenehm.

 

Feuerzangenbowle

Die Bowle aus der „größten Feuerzangenbowle der Welt“ war wirklich super – es ist schon ein Erlebnis sein Heißgetränk (wahlweise mit oder ohne Schuss) zu trinken während der riesige Kessel in der Mitte des Standes damit beschäftigt ist, weitere Bowle zu produzieren. Man findet die kleine Ansammlung der Stände „Zwischen den Fleischbänken“ unweit der Fleischbrücke.

Feuerzangenbowle

 

Kunsthandwerk

Wenn man durch den Haupt-Markt spaziert fallen einem, neben den unzähligen Lebkuchenständen, auch sehr viele Stände auf, die Kunsthandwerk verkaufen. Von der handgemachten Ledertasche, über Dekoration aus Glas, Holz und Porzellan, bis hin zu Spielzeug und Räucherwerk ist alles zu finden. Mir persönlich hat der Hauptmarkt aber nicht so gut gefallen wie die vielen anderen, kleinen Märkte die in der Stadt verteilt sind, weil er doch sehr touristisch und kommerziell im negativen Sinne auf mich gewirkt hat. Dennoch ist der Markt sehr schön anzusehen, besonders nach Einbruch der Dunkelheit mit ein wenig Schnee auf den Dächern.

Es gibt einige feine Märkte die auch außerhalb des Zentrums liegen, aber dafür hat meine Zeit dann nicht mehr gereicht – sollte sich die Möglichkeit aber nochmal ergeben, würde ich mir diese Märkte mit Sicherheit anschauen.

 

Das war mein Rückblick – ich hoffe ich konnte dich ein wenig inspirieren! Ich war übrigens diese der Tage alleine in Nürnberg, und mir wurde beim besten Willen nicht langweilig. Auch unsicher hab ich mich nie gefühlt 😊 Also absolut für einen Solo-Trip geeignet!