Endlich motorisiert!

Vor wenigen Tagen habe ich meine B-Führerschein Erweiterung "Code 111" gemacht um endlich auch in Österreich mit einem Motorrad fahren zu dürfen - ganz klar dass dann das passende Gefährt so schnell wie möglich her musste. Beim Gustieren vor 2 Wochen mit meinem Papa ist mir die Piaggio Medley 125 ins Auge gestochen - schön stand sie da, anthrazitfarben mit braunen Ledersitzen und der idealen Mischung aus modern und doch ein wenig retro. 

Als ich dann mit einem Freund in Graz Motorradjacke und Helm kaufen war, machten wir auch einen Abstecher zu Börni, wo wir uns das Objekt meiner Begierde nochmal anschauten. Diesmal in weiß - und seitdem war es eigentlich beschlossene Sache. Für eine Probefahrt musste ich zwar noch auf den Führerschein warten, aber viel hätte es wirklich nicht gegeben das mich von meinem Willen hätte abbringen können.

Lange Rede - kurzer Sinn: am 21.7. wurde sie nun endlich mein. Die erste Ausfahrt brachte uns abends in eine Mostschenke in Stübing wo wir uns zur Stärkung eine feine Hausplatte gönnten bevor es dann Richtung Semriach ging. Das erste mal kurvige Straßen, immer mehr werdende Höhenmeter, die Dämmerung setzte langsam ein und hier und da erwischten mich auch ein paar Regentropfen. Das war der Moment in dem ich erst wirklich realisierte "Hey, du bist jetzt wirklich mobil. Du kannst in die Berge fahren, wann auch immer du willst, kannst wandern gehen, Ausfahrten machen, Fotos planen und umsetzen, dir den Sternenhimmel vom Berg aus ansehen und danach heimfahren (oder einfach dein Zelt aufbauen und draußen schlafen), oder deine Eltern nach Kärnten besuchen fahren - ganz ohne Bus, Zug, Mitfahrgelegenheit." Ich bin wirklich so glücklich über diese Unabhängigkeit die ich so wirklich zum ersten Mal erfahre, denn mit meiner Panik vor dem Autofahren hatte ich das Thema "mobil sein" eigentlich schon aufgegeben. 

Die Strecke führe uns von Friesach vorbei an der Kesselfallklamm nach Semriach. Von dort aus in Richtung Weinitzen und Graz, und dabei den Schöckl immer im Blick. Der Grazer Hausberg ist mit seinen knapp über 1400 Höhenmetern ein beliebtes Ausflugsziel der Grazer und für mich eigentlich zu jeder Jahreszeit einen Besuch wert. 

Aufgrund der Dunkelheit war natürlich extreme Vorsicht geboten, außerdem kann es immer mal passieren dass ein wenig Kies auf der Straße liegt oder entgegenkommende Autos die Kurven ein wenig enger schneiden, ganz zu schweigen von Rehen die möglicherweise aus dem Wald gerannt kommen. Dazu kam der teilweise nasse Boden und direkt am Schöckl dann ein wenig Dampf der vom aufgeheizten Asphalt aufstieg nachdem der Regen uns überrascht hatte. Ich bin schon in Taiwan nach dem Prinzip gefahren: Es ist okay wenn sich andere über mich ärgern weil ich zu langsam oder übervorsichtig fahre. Immerhin sitze ich am Motorrad und kann mir schneller weh tun als jemand der im Auto sitzt und mir nachfährt - "Sorry, not sorry." - meine Sicherheit ist mir wichtiger als die Nerven eines Autofahrers (den ich dann sowieso bei passender Gelegenheit gerne vorbeifahren lasse.)

Auf jeden Fall war diese herrliche Dämmerstimmung mit lila Wolken der Hammer. Fotos gibt's diesmal leider keine, ich wollte das alles einfach mal ohne Handy genießen. aber diese Strecke werde ich sicher noch das eine oder andere Mal abfahren, ich habe einfach zu viele schöne Stellen gefunden die ein Foto wert sind - und dann auch mit Kamera und den richtigen Einstellungen und Objektiven.

Ich kann es jedenfalls kaum erwarten meine Umgebung mit dem Motorrad zu erkunden - endlich motorisiert!