Marrakesch

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Marrakesch

Um ehrlich zu sein, war meine Vorstellung von Marrakesch keine sehr positive. Ich stellte mich auf ähnlich-lästige Alltagssituationen ein, wie die, die ich in Indonesien erlebt habe – sei es das Handeln bei normalerweise geregelten Dingen wie Bustickets, das (unverschämte) Ausbeuten von Touristen, und die Respektlosigkeit, die mir oft widerfahren ist. Ich wusste also, wie es werden könnte und hab versucht, so unvoreingenommen wie möglich an diese Reise ranzugehen. Warum ich dann überhaupt nach Marrakesch gereist bin? Einerseits wollten meine Freundinnen hin, andererseits haben mich die unzähligen Fotos auf Instagram neugierig gemacht: die schönen Märkte der Altstadt, das Kunsthandwerk, der orientalische Touch und natürlich auch das Essen. Also haben wir 3 Mädels dann Ende Dezember kurzerhand den Flug gebucht: Mitte Februar sollte es dann soweit sein.

Werbung: Mitten in der Nacht, ich glaube es war 2 Uhr, sind wir dann nach Wien aufgebrochen – denn der Flug geht um kurz nach 6 Uhr. Wir haben lange herumüberlegt, wie wir anreisen sollen: Mit dem Bus war es um die Zeit sehr ungemütlich weil wir stundenlange Wartezeit am Flughafen akzeptieren müssten. Mit Zug das gleiche Spiel, Anreise am Vorabend, Übernachten am Flughafen. Dann bin ich (sehr gelegen) von Panda Parken eingeladen worden ihren Service zu testen... und um die Spannung gleich rauszunehmen: Es war perfekt. Man bucht über die Plattform, gibt Ankunfts- und Abfahrtszeit an, und erhält dann eine Bestätigungsmail mit den Daten. Nachträgliche Änderungen waren kein Problem (hab nämlich versehentlich das falsche Datum gebucht) und wurden rasch und ohne Aufpreis durchgeführt. Wir kamen also gegen 4 Uhr am Parkplatz an, wurden nett begrüßt und hüpften dann gleich in den Shuttlebus, der zwischen Parkplatz und Flughafen pendelt. Dafür gibt es keine geregelten Zeiten, sondern das wird je nach Bedarf geplant und eingerichtet – super, denn so gibt es tatsächlich keine langen Wartezeiten. Man lässt die Schlüssel vor Ort und erhält sie nach Bezahlung des Service wieder zurück – ich glaube, regulär hätten wir ein bisschen weniger als 60€ bezahlt für 4 Tage. Ich würde den Service jedenfalls wieder buchen, das Preis-/Leistungsverhältnis ist super und das Familienunternehmen gesamt extrem sympathisch.

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Nach knappen 4 Stunden Fliegen und Einreisekontrolle, standen wir endlich im Warmen. Perfektes Wetter, Transport mit GetYourGuide war ebenfalls wunderbar und dann hieß es endlich: Rucksack ins Riad bringen und ab ins Getümmel. Unser Riad lag in der Medina, also der Altstadt. Man muss bedenken, dass hier keine Autos fahren – wenn man also großes Gepäck mitbringt, empfiehlt es sich, eine Unterkunft am Rand der Medina zu nehmen. Oh, jetzt, als ich diesen Absatz schreibe, fällt mir wieder ein: uns wurde am Morgen des Abflugs unser ursprüngliches Riad storniert („Aufgrund eines technischen Defekts“) – glücklicherweise wurde aber Ersatz organisiert und so konnte, nach kurzem Mini-Herzinfarkt, der Urlaub doch noch entspannt starten: Nämlich in der Suite des Riads, die die ganze Dachterrasse inkludiert und einen wunderbaren Ausblick bereit hält.

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Was sollte man beachten, was erleichtert einem die Anpassung?

Souks in Marrakesch

Souks in Marrakesch

Ich habe lange überlegt, wie ich diesen Beitrag am besten angehe. Marrakesch ist einfach eine Welt für sich, besonders, wenn man noch nie in so einer Umgebung war. Es lohnt sich, ohne großartigen Plan einfach durch die Gassen zu schlendern und sich treiben zu lassen, zu shoppen, zu essen und mit den Einheimischen ins Gespräch zu kommen. Dafür benötigt man jedoch relativ passables Französisch, damit ist man definitiv besser bedient als mit Englisch. Die Menschen sind meiner Erfahrung nach sehr gastfreundlich, aufgeschlossen, respektvoll und stören sich nicht an den Touristen – davon gibt es nämlich, selbst in der Nebensaison, genügend. Ich fühlte mich nie unter Druck gesetzt oder beim Handeln über den Tisch gezogen, die positive Einstellung und die Freude im Umgang mit den Touristen war für mich allgegenwärtig. Allerdings muss ich sagen, dass es am großen Markt Abends doch sehr hektisch wird und wir diesen Ort gemieden haben – auch Aufgrund einer negativen Erfahrung (Ich wurde beschimpft, weil mich ein Verkäufer festgehalten hat um mir seine Speisekarte zu zeigen und ich im daraufhin ruhig aber bestimmt gesagt habe, dass er mich bitte nicht anfassen soll.). Aber ganz ehrlich? Das war nichts im Vergleich zu dem, was ich mir ausgemalt habe. Man muss einfach damit rechnen, dass es in anderen Kulturen einfach andere Grenzen gibt, und er hat es ja sicherlich nicht böse gemeint, und ich war vermutlich ebenfalls gestresst durch die vielen Eindrücke. Was ich aber dennoch dringlichst anrate, ist ständige Achtsamkeit. Taschendiebstahl ist, wie in vielen Städten, einfach ein Thema. Außerdem schadet es nicht, mit genug Selbstsicherheit aufzutreten und alle Angebote, die einen nicht interessieren, höflich und klar abzulehnen – einfach ignorieren brachte bei uns ab und zu Unmut, und ein kurzes „no, thank you“ tut niemandem weh. Beim Einkaufen auf den vielen Märkten kann ich empfehlen, Bargeld möglichst genau zu haben, denn es kann passieren, dass der Deal aufgrund eines Wechselgeld-Problems nicht zu Stande kommt. Ich habe das mit den Preisen übrigens so gehalten, dass ich bereit war, das zu zahlen, was es mir wert war, und nicht auf Biegen und Brechen den Preis weit runter zu drücken.

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Was kann man in Marrakesch unternehmen?

Ich würde jedem, der ein wenig für Badehäuser, Massagen oder Wellness übrig hat, einen Besuch im La Sultana empfehlen, und dort ein Hammam besuchen und mit einem Bodyscrub abrunden. Ein Hammam ist ein traditionelles Dampfbad, in dem man ca. 25 Minuten entspannt. Anschließend kommt man in einen anderen Raum, in dem einem mittels Peelinghandschuh die Haut wirklich intensiv bearbeitet wird. Danach fühlt man sich wie neugeboren und entspannt noch bei einer Tasse Tee in den Bademantel eingewickelt im luxuriösen Spa-Bereich des 5-Stern-Hotels. Für den ganzen Besuch sollte man ca. 1,5h einplanen. Wir gingen anschließend noch in ein kleines Spa gegenüber („Les Bains de L'Alhambra“) und genossen noch Massagen und Pediküre – ein richtig entspannender Nachmittag.

Al Badii Palace

Al Badii Palace

Al Badii Palace

Al Badii Palace

Al Badii Palace

Al Badii Palace

Ein Besuch beim Al Badii Palace zahlt sich aus, wenn man ein wenig Geschichtliches erfahren möchte. Es gibt viel zu lesen, viel zu sehen und eine schöne Aussicht vom Turm aus. Ich glaube, wir haben umgerechnet 6€ Eintritt bezahlt. Architektonisch ist es jetzt für mich als Laien nicht so ein Highlight gewesen, aber wenn man gerade in der Gegend ist, kann man ja mal reinschauen.

Yves Saint Laurent Garten

Yves Saint Laurent Garten

Yves Saint Laurent Garten

Yves Saint Laurent Garten

Yves Saint Laurent Garten

Yves Saint Laurent Garten

Koutoubia Minarett

Koutoubia Minarett

Sehr schön fanden wir den Cyber Park, der in der heißen Mittagshitze angenehm Schatten gespendet hat. Wir sind da am Weg zurück vorbeigekommen, als wir zum Yves Saint Laurent Garten spaziert sind. Anschließend haben wir die Neustadt passiert und den Weg retour mit Endstation Koutoubia Minarett definiert. Zum Yves Saint Laurent Garten: Nett, aber recht klein, voller Menschen. Wenn man nur den Garten selbst anschauen möchte und die ganzen Museen dort auslässt, ist man in einer halben Stunde fertig – aber man muss schon zugeben, die blauen Gebäude im Kontrast zu den Blüten, Kakteen und Brunnen, sind schon ein richtiger Hingucker.

In der Neustadt, bzw. dem „European Part“ von Marrakesch, gibt es alles, was es in einer anderen Großstadt auch gibt: Hochhäuser, Restaurantketten, Shopping Center. Wer also dem Markttreiben entfliehen will, könnte hier richtig sein.

 
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Wenn man länger als zwei Tage (in Marrakesch) Zeit hat, könnte man den dritten Tag für eine Tour nutzen – entweder in die Berge, zum Kamelreiten in der Wüste oder einen Ausflug ans Meer. Wir haben schon von zu Hause aus einen halben Tag Kamelreiten gebucht – es war nett, aber ich würde beim nächsten mal darauf achten, dass es wirklich in der Sandwüste stattfindet. Wir hatten eine Palmwüste, und das war nicht sonderlich schön weil es eben nicht so authentisch und besonders war, nachdem die Straße direkt durch diese Palmwüste ging und man in einem Areal herumgegangen ist, in dem auch Quad-Fahren u.Ä. angeboten wurde. Eventuell wäre ein ganzer Tag mit Übernachtung in der Wüste empfehlenswerter gewesen. Wichtig war mir bei der Tour, dass es keine Massenabfertigung ist und man sicher sein kann, dass es den Tieren auch gut geht, die Tourguides fair bezahlt werden. Im Großen und Ganzen hatten wir diesbzgl. ein gutes Gefühl, leider war es war dann nicht so individuell wie im Angebot versprochen - aber okay, das nächste Mal wird die Planung eben anders angegangen und es war trotzdem ein lustiger Vormittag.

 

Märkte und Essen in der Medina

Okay, Hand auf’s Herz: Wäre ich nicht nur mit Handgepäck gereist, hätte ich einfach sooo viel eingekauft. Ich liebe diese Teller, Teppiche, Strohartikel, Lampen, Spiegel und die anderen Deko-Artikel, die sich auf den Märkten so finden lassen. Aber auch Gewürze, Farbpulver, Düfte, Weihrauch und Kosmetik, speziell mit Arganöl, lassen sich hier sehr unkompliziert finden. Ich hab mir ein paar Ohrringe, eine Argan-Creme und eine Flasche Arganöl, sowie Sandalen gekauft und liebe alle meine Mitbringsel immer noch. Am besten ist es wirklich, sich einen Tag nur durch die Innenstadt zu bewegen und alle Ecken zu erkunden – jeder Markt ist einzigartig was die Produkte angeht.

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Bzgl. Essen kann ich nur sagen: Super, halbwegs gesund und schau unbedingt, ob das Lokal eine Dachterrasse hat. Die sind nämlich sehr populär und sehr viele Cafés und Restaurants haben ein paar Tische am Dach, von wo aus man super das Markttreiben und den Sonnenuntergang beobachten kann. Mein Highlight: Café des èpices. Gelegen an einem kleinen Markt, super Ausblick, freundlicher Service - auch ein Ort, an dem man eine Tajine probieren könnte. Eine weitere Empfehlung ist das Earth Café: die Terrasse war zwar nicht einladend, aber das Essen dafür umso leckerer.
Der Treffpunkt für sämtliche Touren ist jedoch das Café de France am großen Markt („Djemaa el Fna Square“), von dort aus lässt sich auch der Sonnenuntergang und das Erwachen des Marktes bei Nacht zu beobachten, jedoch ist es sehr touristisch und einen entspannten Abend kann man sich hier abschminken. Wer auf Süßes steht, sollte sich an einer der kleinen Bäckereien am Wegesrand eine gemischte Box mit kleinen Gebäckstücken sichern. Viel Nuss, Honig, Blätterteig – und fertig sind die süßen Sünden. Unbedingt probieren muss man meiner Meinung nach den lokalen Kaffee, der mit Gewürzen versetzt ist und irgendwie an einen Chai Latte erinnert. Außerdem kann man am Markt Schnecken essen - wir haben es gewagt und nicht bereut. Geschmacklich absolut vertretbar, nur das ganze Prozedere ist ein wenig gewöhnungsbedürftig.

 
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Fazit:

Ich würde mir Marokko wirklich gerne nochmal genauer anschauen, eine Rundreise im Idealfall. Obwohl ich eher negativ voreingestellt war und auch von Freunden und Kollegen wenig erfreuliches gehört habe, war Marrakesch für mich eine wunderbare Erfahrung. Es kommt wirklich immer darauf an, welche Menschen man trifft, wie man selbst an die Sache herangeht und wie viel Glück man hat. Erfahrungen sind so persönlich und jeder schreibt beim Reisen seine eigenen Geschichten. Mir hat diese Reise wirklich gezeigt, dass man genauso gut positiv überrascht werden kann und die Erfahrungen anderer zwar wichtig sein können, aber nicht zu viel Einfluss auf die eigene Wahrnehmung haben sollten.

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