London on a Budget

London – wie man die Metropole auch für wenig Geld genießen kann

Eine der ersten Reaktionen bei jedem Gespräch über London ist wohl „Aber das ist schon recht teuer, oder?“ – und ich muss sagen: Ja. London kann schon teuer werden, wenn man alle Attraktionen besuchen will und in den Szenelokalen essen möchte. Ich bin in einer Situation in der ich mir mein Geld schon gut einteilen muss, damit ich mir solche Urlaube ersparen kann – demnach bin ich umso wählerischer, wofür ich mein Budget dann einsetze. Weil es vermutlich vielen Leuten da draußen so geht und ich der Meinung bin, dass man im Urlaub nicht zwangsweise viel Geld für schöne Erlebnisse bezahlen muss, kommt hier ein Beitrag zu meinem London-Trip!

Anreise, Flug, Unterkunft

Meine Devise: Bei diesen Fixausgaben kann man ruhig ein paar Abstriche machen – im Hotel/Hostel ist man sowieso nur zum Schlafen, ungemütliche Uhrzeiten für die Anreise werden durch Vorfreude kompensiert, und der Flug muss bei so einer kurzen Distanz keinen Luxus bieten. Ich bin mit dem Bus nach Wien gefahren (um 4.20 Uhr oder so), mit einer Billigfluglinie nach London geflogen, dort mit dem Transferbus (der im Vorhinein gebucht wurde) in die Stadt. Um eine weitere, lange/innerstädtische Busfahrt nach der knapp 10-stündigen Reise zu vermeiden, hab ich mir ein Uber genommen das mich vor dem Hostel abgesetzt hat. Dort für knapp 120€/5 Nächte im 4er Zimmer untergekommen, war ich nun bereit, mir die beliebte Großstadt anzuschauen.

Empfehlungen für kostenlose Attraktionen

NaturalHistoryMuseum

Eines vorweg: viele Museen in London sind kostenlos! Hier kann ich das Natural History Museum empfehlen – fängt schon mit dem tollen Gebäude an und setzt mit vielen interessanten Ausstellungen fort. Von Dinosauriern über Säugetiere bis hinzu speziellen Ausstellungen gibt es hier wirklich einiges zu sehen. Berühmt ist auch das große Wal-Skelett das in der Haupthalle von der Decke hängt... und zu guter letzt kann man noch der Statue von Darwin einen Besuch abstatten.

Für einen Spaziergang am Abend eignet sich die Tower Bridge bestens. Man kann super über die Brücke schlendern und den Trubel genießen: auf der einen Seite lässt sich das allseits beliebte Bauwerk gut auf Bildern verewigen, auf der anderen Seite erwartet einen der Tower of London. Wer doch gerne ein wenig Geld ausgeben möchte und Nervenkitzel sucht, kann sich auf den Glas-Pfad wagen, der die 2 Türme auf der oberen Ebene verbindet.

Kostenlose Alternative für einen Blick über die Stadt bietet der Skygarden. Hier muss man seine Tickets für eine bestimmte Zeit im Voraus über die Website buchen (max. 2 Wochen vor geplantem Besuch) und kann dann, nach Flughafen-ähnlicher Sicherheitskontrolle, mit dem Lift hochfahren und den wunderbare Ausblick eine Stunde lang genießen.

Skygarden

Auch der Wachenwechsel beim Buckingham Palace ist kostenlos, aber auch ziemlich überlaufen. Ich war knapp 2 Stunden vor Beginn dort, das war eindeutig zu früh, aber eine Stunde vorher bildeten sich schon die ersten Menschentrauben. Die Zeiten sind glaube ich Montag, Mittwoch, Freitag, Samstag jeweils um 10.45 und das Spektakel dauert ca. 45 Minuten.

BuckinghamPalace
ChangingOfTheGuards
WestminsterCathedral

Westminster Abbey – für viele ein Must-See, für mich hat der Blick von außen gereicht. Stattdessen habe ich mir die Westminster Cathedral (ca. 10 Minuten Fußweg entfernt) angeschaut und ich war wirklich beeindruckt! Die Kathedrale ist irgendwie ganz anders, besonders wegen der dunkeln Decke/Kuppeln und den funkelnden Verzierungen an den Seiten. Außerdem könnte man hier in den Turm hochfahren, um einen Blick auf die Stadt zu erhalten – der Preis hierfür war glaube ich um die 6 Pfund.

Ein Spaziergang entlang der Themse, vorbei am London Eye, dem Dungeon und dem Sea Life Aquarium, ist auch ohne Besuch der Attraktionen sehr schön – von der Westminster Bridge hat man eine schöne Aussicht auf beide Uferseiten und normalerweise auch auf den Big Ben (bzw. eigentlich „Elizabeth Tower“, da lt Wikipedia nur die schwerste der fünf Glocken im Turm „Big Ben“ heißt) und das Parlament. Leider ist der beliebte Uhrturm seit einiger Zeit wegen Bauarbeiten verhüllt.

Eine weitere, nette Gegend für einen Spaziergang ist der Picadilly Circus, hinauf nach Chinatown, dann beim Leicester Square und dem Shakespeare Monument vorbei, zur National Portrait Gallery (die ebenfalls kostenlos ist) und anschließend ein wenig am Trafalgar Square herumsitzen, den Straßenmusikern lauschen, die Sonne genießen... hab dort Harry Marshall gesehen und gehört, der dort wirklich ein feines Lied nach dem nächsten gespielt hat und zu meinem Glück auch ein paar Demo-CDs dabei gehabt hat – das sind, neben Magneten, meine Souveniers. Dinge, die mich an bestimmte Situationen erinnern 😊

LondonEyeReflection
HarryMarshall
Underground

Wer auf Comedy steht, darf sich freuen: in Camden gibt es den Camden Comedy Club, bei dem regelmäßig Stand-up Comedy geboten wird (manchmal kostenlos, manchmal mit ein paar Pfund Eintritt). Eingang ist durch ein Pub, das supergutes Bier/Ale hat – und außerdem Smoke Burger (mehr dazu weiter unten beim „Essen“). Leider hab ich keinen Platz mehr gehabt, aber der Nebentisch hat die bestellt und die Portion war riesig! Vollgegessen war ich übrigens, weil davor ein Besuch am Camden Market anstand. Ein Market an verschiedenen Locations im Bezirk, einer davon am Wasser mit riesigem Foodmarket, andere in alten Gemäuern mit Kleidern, Schmuck, Handwerk und Kunst. Auch die Amy Winehouse Statue ist auf diesem Areal zu finden.

CamdenComedyClub
CamdenHeadPub

Für die Harry Potter Fans gibt es einige Touren, die Studios und natürlich auch die Plattform 9 ¾ - der Besuch ist kostenlos, aber die Schlange dementsprechend lange. Wenn man niemanden mithat der ein Foto von einem macht, ist man fast gezwungen sein Bild professionell machen zu lassen (passiert sowieso, aber man kann eben auch privat mitfotografieren) und im Shop nebenan für knapp 10 Pfund zu kaufen. Ich habs mir nur angesehen, die Wartezeit und 10 Pfund waren es mir nicht wert.

...und was wäre London ohne einen Besuch im Hyde Park? Ich wollte einfach nicht mehr gehen,  deshalb hab ich mir ein Citybike ausgebort (man zahlt einfach mit Kreditkarte, die erste halbe Stunde ist kostenlos, dann 2 Pfund/Stunde glaube ich) und bin damit im Park herumgefahren. Danach kann man sich super ein wenig ans Wasser setzen und die Seele baumeln lassen. Wenn einem dann doch noch die Lust auf ein wenig Einkaufen überkommt, ist das Harrods, das weltgrößte Kaufhaus, nicht weit. Ein Besuch lohnt sich, es ist wirklich edel und besonders die Restaurants und Märkte laden zum Gustieren ein.

NottingHill2
NottingHill

Notting Hill ist super geeignet für einen Vormittag. Die Portabello Road ist das Zentrum für alle, die gerne ein wenig bummeln, Flohmarkt-Atmosphäre schätzen und eventuell noch das ein oder andere Souvenier kaufen wollen. In den Nebenstraßen findet man die bekannten bunten Häuser und natürlich auch die Filmlocations des gleichnamigen Films. Bei der Unterführung der Portabello Road gab es während meines Besuchs einen Foodmarket, von Paella, Teigtaschen über Pizza und lokale Spezialitäten konnte man sich fast einmal durch Europa essen. Wer (wie ich) Friedhöfe mag, kann sich noch den Kensal Green Cemetery anschauen, denn gerade der alte Teil im Osten hat eine ganz besondere Atmosphäre (Hab mich ein wenig gefühlt wie am Set zu The Vampire Dairies). Außerdem soll eine meiner größten Inspirationen dort ruhen: Freddie Mercury. Die entsprechende Gedenktafel wurde entfernt, nachdem der Platz publik wurde, weil man eine Pilgerstätte vermeiden wollte. Wieviel davon wahr ist, kann man nicht genau sagen – aber sollte es so sein, ist es wirklich ein schöner Ort für einen großartigen Künstler.

KensalGreen

Demnach. Last but not least: Für alle, die etwas für Freddie Mercury übrig haben: Man kann zum Haus gehen („Logan Place“, Earl’s Court Underground Station), in dem er verstarb. Es ist aktuell natürlich bewohnt, aber es spricht nichts gegen ein kurzes Verweilen beim Eingang. Blumen, Karten und Briefe werden ebenfalls geduldet. In der 100 Holland Road hat er eine Zeit lang gelebt, ist ca. ein 20 minütiger Spaziergang vom Logan Place. Konzertlocations von Bedeutung diesbzgl sind das Dominion Theatre und Playhouse Theatre.

Wofür ich mein Geld ausgegeben habe:

Wembley Stadium – nicht primär wegen dem Fußball, sondern eher der Zweck als Konzertlocation bewog mich zu einer Tour. Nachdem der Guide über meinen Zugang zum Stadion erfahren hat, erwähnte er auch immer ein paar Fakten oder Anektoten bzgl. dieser Funktion, das hab ich wirklich toll gefunden. Für 19 Pfund (bei online-Buchung) erhält man eine knapp 90-minütige Führung durch das Stadion, kann zum Pitch hinunter gehen, sieht den Presseraum und die Umkleidekabinen und erährt allerhand Spannendes zum Bau, den zahlreichen Verwendungen, den Rekorden die das Stadion hält und auch zur Betreuung der Sportler/Musiker. Davor hat man Zeit sich das Museum anzuschauen, erfährt über die Geschichte und sieht zahlreiche Originale, wie die Olympia-Flagge von 1948.

WembleyStadiumTour
WembleyOlympiaFlag
JackTheRipperTour

Jack the Ripper Tour: Ja, ich war skeptisch. Ich hasse ja nichts mehr als typische Touristen-Attraktionen, die unnötig viel Geld kosten...aber hier war ich 2 Stunden wirklich gut unterhalten. Für 12,5 Pfund wird man an die original-Schauplätze geführt, mit grusligen, blutrünstigen und brutalen Geschichten in Angst und Schrecken versetzt und fühlt sich ein wenig wie ein Detektiv, auf der Suche nach der tatsächlichen Identität von Jack the Ripper. Ich fands unterhaltsam, einzig die Gruppengröße war ein Minuspunkt. Es gibt mehrere Anbieter, also ein kurzer Vergleich lohnt sich vielleicht – ich hab auf Anraten einfach die „originale“ Tour gebucht.

Essen & Trinken: hach ja, Urlaub und Essen gehört für mich einfach zusammen – hab nicht umsonst 1,5 Kilos zugenommen in 10 Tagen – und das trotz minimum 11km gehen pro Tag. Im Schnitt habe ich um die 25 Pfund pro Tag für Essen und Trinken ausgegeben, damit sollte man auch rechnen wenn man von 2 Mahlzeiten in einem Cafe/Pub plus 1-2 Snacks ausgeht. English Breakfast gibt es meistens um die 10 Pfund, einen Kaffee um ca. 2,50 – 3 Pfund, ein Sandwich um 4 Pfund. Positiv überrascht war ich von den Bieren und Ales in London! Für einen Durchschnittpreis von 6 Pfund pro Pint bekommt man wirklich tolle Getränke. Ich fands toll dass man fast überall einfach beschreiben konnte, was für Bier man mag (bei mir irgendwas wie „not too bitter, a bit fruity. Definitely not smokey or too dark.“) und dann bekommt man 2-3 Kostproben und entscheidet sich dann. Wirklich super 😊

 

Essen in London

Hier noch ein paar Empfehlungen für preiswertes aber leckeres Essen. Von Pubs, über English Breakfast, Essen aus Quatar und einem Hauch Südafrika ist alles dabei:

Crumpets Snack Bar // 82 Buckingham Gate, Westminster

Klein und unscheinbar, sehr urig und ein wenig Kantinen-Flair – aber hier gibt es Crumpets. Was das ist? Quasi das original zu den McMuffins – gefüllt mit Ei und Speck. Die kleinen Sandwhiches sind ein Klassiker im englischen Frühstück und waren dort wirklich super. Man bekommt auch ein Full English Breakfast, jedoch hat mich dort das Würstel nicht überzeugt.

Draft House // 14-15 Seething Ln

Vor dem Besuch auf der Tower Bridge hab ich mir dort Mac n‘ Cheese balls und Wings gegönnt, dazu ein tolles Ale. Preis/Leistung war wirklich gut, die Atmosphäre super und das Service nett und kompetent. Eignet sich gut für einen Zwischenstopp und die Auswahl an Bier ist richtig groß, zum Essen gibt es typisches Pubfood.

Chapati & Karak // 144 Brompton Rd, Knightsbridge

Ein kleines Restaurant/Cafè Nähe Harrods, in dem es superguten Milchtee und orientalische Chapati gibt. Das sind Teigfladen, die mich ein wenig an Palatschinken erinnert haben. Ich hatte eines mit Cheddar: da wurden dann einfach 2 Teigfladen zusammengepresst und der Cheddar ist mit der Teigmasse verschmolzen. Richtig super für einen kleinen Snack zwischendurch!

Nandos // 202 Blackfriars Rd

Auf Wunsch meiner Reisebegleitung ging es auch an einem Abend zu Nandos, einer südafrikanischen Restaurantkette die hauptsächlich Hähnchen-Gerichte anbietet, aber alles im Flair eines gemütlichen Restaurants, aber mit Selbstbedienung bei Soßen, Dips und Wasser. Zumindest in dieser Filiale, keine Ahnung, ob das überall so ist. Jedenfalls gibt’s dort für jeden etwas Passendes, sei es ein Qinoa-Salat oder ein deftiger Eintopf mit Huhn.

CamdenFood

Camden Market

Oh ja… der Camden Market. Ein Fixpunkt für alle, die das Schlendern durch viele kleine, künstlerische Shops genießen. Aber man kann dort auch super Essen: viele kleine Stände bieten Mahlzeiten aus aller Welt an. Für mich gabs meine ersten Mac’n’Cheese überhaupt, getoppt mit Trüffelöl, Champignons und Röstzwiebel – unglaublich gut! Außerdem viel aus Südamerika was ich noch nicht kannte, und auch für die Naschkatzen ist einiges dabei. Unbedingt vorbeischauen!

Camden Comedy Club / Camden Head Pub

Dank eines Tipps eines Comedians, dessen Show ich in Graz besucht habe, stand der Camden Comedy Club auf meiner Must-Visit-Liste. Hätte ich gewusst, dass sie im dazugehörigen Pub darunter sooo geniale Burger servieren, hätte ich mir meine Ressourcen besser eingeteilt. Man sucht sich nämlich einen Burger + Beilage +  Coleslaw aus, und dann einen „Smoke“ (z.B. Whiskey barrel wood smoke, apple wood smoke, oak wood smoke...). Der Burger wird unter einer Glasglocke positioniert in der dann eben der gewünschte Rauch steht. Der Preis? Pub-taugliche 10 Pfund!

EnglishBreakfast

Notting Hill café

Wer einen Ausflug nach Notting Hill unternimmt, um durch die belebten Straßen zu schlendern, den Flohmarkt zu besuchen oder die bunten Häuser zu fotografieren, der könnte sich auch zum gelungenen Start in den tag im Notting Hill Cafè stärken. Das English Breakfast war wirklich sehr gut, ich würde sagen das beste, das ich während meines Aufenthalts gegessen habe. Wie so oft gilt auch hier: An der Bar bestellen, bezahlen, und dann das Essen serviert bekommen.

 

Nice to Know

Öffentliche Verkehrsmittel: Man benötigt die Oyster Card, die es an jeder Ubahn-Station am Automaten gibt. Funktioniert super, und am Schluss bekommt man den Einsatz + verbleibendes Guthaben in Bar retour. Busse kann man übrigens auch mit Kontaktlos-Kreditkarte bezahlen, sehr praktisch für die Fahrten zum Shuttle-Bus Richtung Flughafen.

Bezahlung per Karte: Ich hab kein Geld abgehoben da man wirklich überall mit Karte bezahlen konnte, selbst die kleinsten Beträge. Wirklich praktisch, weil man sich so die Gebühren für Barbehebung in fremder Währung spart und nicht herumspekulieren muss, wieviel man tatsächlich abheben soll.

London und seine Ampelschaltungen: Anfangs blieb ich noch stehen, wenn die Ampel rot gezeigt hat. Irgendwann fängt es einen aber so zu ärgern an, dass einfach so viel Zeit vergeht in der alle Richtungen Rot haben... also schloss ich mich bald den Jaywalkern an.

Radfahren: In London sind mehr Radfahrer unterwegs, als ich anfangs geglaubt hätte. Außerdem gibt es zahlreiche Citybike-Plätze, bei denen man sich Räder ausleihen kann.

Gemeinsame Toiletten: Ganz gewöhnlich ist es in London auch, dass es gemeinsame Toiletten für Männer und Frauen gibt – also nicht schrecken :D

Tagesausflüge: Brighton eignet sich super für einen Tagesausflug, gleich wie andere bekannte Orte wie Camebridge oder Bath. Zugtickets früh genug buchen und vor allem auch in einer Off-Peak-Zeit fahren zahlt sich wirklich aus!

 

 

So, das war’s – ich hoffe, es war ein wenig neues für die London-Kenner dabei, aber vor allem auch Inspiration für alle London-Neulinge, wie ich es einer war. Zu welcher Kategorie zählst du dich? Was ist dein Lieblingsplatz in London, oder warum möchtest du unbedingt mal hin?