Wohin mit meinen Altkleidern?

Wohin mit meinen Altkleidern?

Ich stand diese Woche wieder vor dem altbekannten Pflichttermin: Frühjahrsputz. Für mich gehört da auch immer dazu, dass ich mich von allen Dingen trenne, die ich wirklich nicht brauche. Die ich einfach das ganze Jahr über liegen lasse und von denen ich mir bisher eingeredet habe „irgendwann brauch ich das bestimmt noch!“ – völliger Blödsinn natürlich.

Doch nichts ist für mich langwieriger als das Sortieren von Kleidung. Ich habe nicht überaus viel davon, von ein paar wenigen Teilen trenne ich mich aufgrund von emotionalem Wert auch nie. Aber trotzdem sortiere ich gern aus und hab bevorzugt nur die Outfits im Schrank, die ich gerne mag und regelmäßig anziehe. Da ich kein wirklicher Fashion-Addict bin, wird bei mir weniger aufgrund von Trends aussortiert, sondern schlicht und ergreifend aus „zu groß, zu klein, kaputt, entspricht nicht mehr meinem jetzigen Geschmack“-Gründen. Und ja, ich hab auch diese eine Hose in die ich irgendwann mal wieder reinpassen werde. Und ja, ich werfe sie nicht weg. Die Hoffnung stirbt zuletzt. 😊

Aber nun zur eigentlichen Frage: Was soll mit den alten Teilen passieren? Ich habe mich mal schlau gemacht und versucht herauszufinden, welche Optionen wir in Graz so haben (vermutlich wird’s aber in ganz Österreich ähnlich sein).

Eines vorweg: willst du wirklich kaputte Kleidung entsorgen, gibt es spezielle Sammelstellen, in Graz ist das das Recyclingcenter in der Sturzgasse – diese Teile gehören nämlich auf keinen Fall in die Altkleidersammlungen.

Am Ende des Blogeintrags findest du übrigens noch eine kritische Reflexion von den paar erstgenannten Optionen, da es nie schadet die Dinge zu hinterfragen. Ich selbst weiß zwar schon seit ein paar Monaten, dass gespendete Kleidung nicht direkt an Bedürftige geht – aber was sich im Hintergrund so tut war trotzdem interessant zu lesen, deshalb wollte ich es dir nicht vorenthalten.

 

Holding Graz – der grüne Container

In Graz stehen insgesamt über 200 grüne Container, in die man seine Altkleider geben kann. Diese Container gehören zur Holding Graz und ein Teil der Kleidung (ca. 10%) landet schlussendlich bei den Carla Läden, die wiederum von der Caritas geführt werden. Alles, was qualitativ oder zweckmäßig nicht für den Verkauf in Österreich zu gebrauchen ist, wird über die Grenzen der EU hinaus exportiert; außer wenn etwas dafür auch nicht mehr gut genug ist, wird es recycelt und zu Putzlappen o.Ä. verarbeitet. Quelle: Blog der Holding Graz

Caritas - Carla Laden

Zusätzlich zu den Containern der Holding Graz, gibt es auch 28 Carla-eigene Container. Die Spenden kommen hier direkt der Caritas zu Gute, und zusätzlich zu Kleidung können auch Möbel, Bücher und andere Sachspenden in den Läden direkt abgegeben werden. Hier findest du eine genaue Auflistung der Annahmestellen in der Steiermark, für die anderen Bundesländer bitte die jeweilige individuelle Website besuchen. Caritas finanziert mit dem Erlös zahlreiche Projekte die Menschen in Österreich in allen schwierigen Lebenssituationen unterstützen: vom Wohnen, Pflege, Erziehung, über Rechtsberatung, psychologische Unterstützung bis hin zur Hilfe für Migranten und Flüchtlingen.
Quelle: Caritas

Humana

„Der Reinerlös von verkauften Gebrauchtkleidern und -Schuhen wird In Entwicklungsprojekte in Afrika, Asien und Lateinamerika investiert.“ Diese Projekte beinhalten hauptsächlich Schulen (vor allem Berufsschulen), Kinderhilfe, Trainings & Ausbildungsakadamien für Lehrer und Waisenprogrammen. „Reinerlös“ bedeutet, dass nach Abzug der Kosten der gesamte Gewinn in ebendiese Projekte gesteckt wird. Die gesammelte und gespendete Kleidung wird in eigenen Shops verkauft, in Graz befindet sich ein Shop in der Annenstraße, die restlichen sind in Wien angesiedelt. Im Gegensatz zu den anderen Organisationen (die für den karikativen Zweck sammeln & vorrangig Menschen in Österreich unterstützen) wird bei Humana Geld für Projekte im Ausland gesammelt.
Quelle: Humana

Vinzi – Vinzishop

Eine weitere Möglichkeit direkt vor Ort zu helfen und seine Kleidung weiterzugeben, sind die Vinzishops, die man in Graz zum einen in der Georgigasse 2 (8020 Graz) und in der Grazbachgasse 59 (8010 Graz) findet. Sachspenden (Kleidung, Schuhe, Accessoires) können direkt dorthin gebracht werden. Die Kleidung wird dann ebenfalls verkauft, und der Erlös in zahlreiche lokale Projekte investiert.
Quelle: Vinzi

Share & Care Graz

Auf Facebook: eine Gruppe mit knapp 25.000 Mitgliedern, deren Zweck es ist, „Leistungen, Dienste und Güter aus reiner Nächstenliebe und ohne Gegenleitung zu teilen/schenken“. Schöne Idee, oder? Zwar wird hier das Gewand nicht an die wirklich Bedürftigen geschenkt, jedoch kann ich mich selbst damit anfreunden, dass Leute meine Kleidung holen kommen und sie z.B. am Flohmarkt verkaufen. Ich habe ehrlich gesagt nicht die Muse mich auf einen Flohmarkt zu stellen und mein Zeug an den Mann/die Frau zu bringen (und erst recht nicht das ganze Drumherum mit Transport, Aufbau, Abbau etc.) – also sollen doch die, die es machen wollen, das tun. Natürlich kann es auch passieren, dass wirklich bedürftige Menschen so an Gewand kommen, ich möchte ja niemandem etwas unterstellen! 😊 Ich finde die Idee mit dem Schenken und Beschenk-werden jedenfalls großartig. Der Vorteil ist hier, dass man sein Zeug abholen lassen kann und unkompliziert los wird. Nachteil natürlich, dass sich Leute dafür interessieren und dann nicht auftauchen – dieses Risiko muss in Kauf genommen werden.

Tierheime

Zwar nicht für Kleidung oder Schuhe, aber Bettwäsche oder Handtücher werden oft von Tierheimen und Pflegestellen mit großem Dank entgegengenommen – aber bitte vorher anrufen, damit der Weg nicht umsonst ist. Ein paar Adressen in Graz wären z.B. Der Verein für kleine Wildtiere in großer Not, die Arche Noah oder der Landestierschutzverein.

Online-Verkauf

Wer es sich tatsächlich antun will, kann natürlich auf gängigen Online-Portalen (Shpock, willhaben…) seine Kleidung verkaufen. Nachteil ist eindeutig, dass man meist jedes Teil fotografieren und extra online stellen muss, was ein ziemlicher Zeitaufwand ist. Könnte sich aber lohnen, wenn man hauptsächlich hochwertige Textilien besitzt.

Flohmarkt

In Graz gibt es zahlreiche Flohmärkte, eine Auflistung findest du auf www.flohmarkt.at – So kannst du dir deine Urlaubskassa aufbessern, kommst mit Leuten in Kontakt und hast mal ein Kontrastprogramm zum sonstigen Alltag. Im Idealfall findest du 1-2 Freunde, die ebenfalls ein wenig ausgemistet haben und ihr teilt euch einen Stand und somit auch die Standgebühr. Meistens muss man sich nicht vorher anmelden, einfach früh genug dort sein.

 

Was passiert eigentlich mit den Kleiderspenden?

Nach einigen Recherchen fasse ich hier mal ein paar kritische Meinungen zusammen, die Quellen nenne ich natürlich, damit sich jeder seine eigene Meinung bilden kann.

Was ich anfangs geglaubt habe, stimmt nicht wirklich: Ich bin, ganz naiv, davon ausgegangen, dass Kleidung die ich in die Container werfe, hilfsbedürftigen Menschen kostenlos zur Verfügung gestellt wird. Von dieser Ideologie muss man sich leider verabschieden, und die oben genannten Herangehensweisen annehmen.

In diesem Artikel auf Utopia.de spinnt der Autor den Gedanken einfach mal weiter: Die Kleidung, die von Österreich (oder wie im Artikel eben Deutschland) exportiert wird, schadet mitunter der dortigen Wirtschaft, da man im jeweiligen Land nie so günstig produzieren könne um den importierten Gewand preislich fair entgegentreten zu können. Steigende Arbeitslosigkeit in Produktion und Vertrieb sind demnach die Folge.
Diese These wird allerdings sehr kritisch betrachtet und einige Experten (z.B. Dennis Buchmann in diesem Artikel) argumentieren, dass das nicht so salopp gesagt werden könne. Im folgenden Artikel vom ORF ist ebenfalls eine solche kritische Meinung zum Thema „Zerstörung der lokalen Industrie“ zu finden.

 Quelle: www.oepula.at

Quelle: www.oepula.at

Betrifft zwar hauptsächlich Wien direkt, aber besonders dreist finde ich die Variante „Altkleider als Geschäftsmodell“ die vom ORF hier beschrieben wird. Vor allem deshalb, weil bei einem der Eindruck erweckt wird, man würde direkt an die betreffenden Organisationen spenden, siehe Foto.

Das Rote Kreuz und das Kolpingwerk kooperieren bei der Altkleiderverwertung mit dem österreichischen Unternehmen ÖPULA. Die karitativen Organisationen stellen ihre Logos für die Sammelcontainer zur Verfügung und werden dafür mit circa 35 Euro pro Tonne an den Einnahmen beteiligt. Dieses Geld fließt in karitative Projekte. ÖPULA - der Name steht für Österreichische Putzlappen - transportiert die Kleidung nach Italien, wo sie aussortiert und weiterverkauft wird. Etwa 400 Euro erhält ÖPULA pro Tonne Altkleidung. Quelle: ORF.at

Wer sich übrigens die Frage stellt, ob man direkt beim Roten Kreuz Kleiderspenden abgeben kann, dem sei gesagt: Nein, das ist nicht möglich. Das Rote Kreuz leiht quasi nur seinen Namen und die Reputation und sammelt so einen kleinen Anteil an Spenden. Im Hintergrund (z.B. bei den Peaks der Flüchtlingskrise) steckte vor allem die Caritas hinter der Kleidungsspende und -distribution. (Quelle: persönliches Gespräch mit einem RK-Mitarbeiter)

Zusammenfassend kann noch dieser Artikel der Kleinen Zeitung mit einigen Daten und Zahlen aufwarten, das ist es dann aber diesbezüglich gewesen.

Ich habe während dem Recherchieren für diesen Beitrag viel dazu gelernt – eigentlich wollte ich ja nur für mich herausfinden, was ich mit dem alten Gewand machen soll. Die Idee zum Blogpost kam, als ich die Flut an Information irgendwie verarbeiten wollte und glaube, dass meine Erkenntnisse für viele Menschen interessant sind. In diesem Sinne: frohes Ausmisten!

Alles Liebe,

Katie

 

PS: Wer natürlich weniger kauft und sich nur ein paar absolute Favoriten im Jahr gönnt, muss weniger aussortieren. Ein Ansatz, der bei mir erst seit wenigen Monaten wirklich verankert ist. Davor habe ich auch oft Dinge gekauft, ohne darüber nachzudenken ob ich es oft tragen werde, das Material passt oder ich es wirklich haben will - denn brauchen tun wir ja alle in den seltensten Fällen wirklich etwas, wenn wir uns ehrlich sind. Der falsche Ansatz ist es aber, jetzt alles, was nicht der jetzigen Auffassung entspricht, auszusortieren – ich trage mein Gewand jedenfalls aus, bis ich es nicht mehr tragen will, es kaputt wird oder die Größe nicht mehr passt, und kaufe nur Dinge, die mir wirklich Freude bereiten.